• Holger Reher

Insta360 One R: Das sind die Vorteile der modularen Action Cam

Vor einigen Jahren machten modulare Smartphones, wie das Phonebloks-Konzept oder das tatsächlich auf dem Markt erschienene Fairphone, dessen Modularität sich aber in erster Linie auf den umweltschonenden Austausch innerer Bauteile bezieht, von sich reden. Auch die Nintendo Switch mit ihren an- und abdockbaren Controllern hat Modularität einen Schritt vorangetrieben. Schon lustig, dass in diesem Bereich eine Küchenmaschine, wie die KitchenAid, die viele Verwandlungsmöglichkeiten bietet, dem Unterhaltungselektronik-Segment etwas vormacht!

Jetzt gibt es endlich eine Kamera, die ähnlich flexibel aufgestellt ist: Insta360s neue 360-Grad-Kamera, die auf den Namen One R hört. Zumindest verwechsle ich sie namentlich nun nicht mehr mit meiner Xbox One X, wie es beim Vorgänger, der Insta360 One X der Fall war. Dann schon eher mit der Nintendo Switch. Denn mit ihrem in weichem Rot gehaltenen Batteriegriff ähnelt die Kombi aus verschiedenen Linsen und dieser Halterung schon ein wenig dem grau-roten Joy-Con und ist auch in ihren Abmessung fast identisch, nur etwa doppelt so tief.


Mit Leica entwickelt

Anders als der Joy-Con-Controller, ist die One R in jeder Ausbaustufe bis zu fünf Meter wasserdicht nach IPX8 (Schutz auf unbestimmte Zeit gegen eindringen von Wasser beim kompletten eintauchen). Wer in erster Linie eine erstklassige Action-Cam sucht, der greift zu der in Zusammenarbeit mit Leica entworfenen 1-Inch-Edition. Der Mod soll eine bisher unerreichte Bildqualität liefern, wofür in dem Weitwinkel-Modul mit einer Lichtempfindlichkeit von F3.2 und einer Brennweite von 14,4mm (Kleinbildäquivalent) ein hochwertiger 1-Zoll-Sensor verbaut wurde, der auch bei schwierigen Lichtverhältnissen für brillante Ergebnisse bei 5,3K-Videos und Fotos mit 19 Megapixeln sorgen soll.

Wird sich das in meinem Test tatsächlich bewahrheiten, wäre für mich die Grundlage für den Erfolg des modularen Aufbaus geschaffen. Denn mit dieser Idee gelänge es Insta360 – bei entsprechender Qualität der Ergebnisse –, dass Nutzer, die neben einer 360-Grad-Kamera auch eine Action-Cam benötigen, nicht mehr für letztgenannte Option zur Konkurrenz greifen. Schließlich können sie ihre One R mit nur wenigen Handgriffen in das jeweils benötigte Gerät verwandeln und damit auf einer einzigen Plattform bleiben.


Rundum glücklich

Nun aber genug der auflösungsstabilen, verzerrungsfreien Action-Video- und Fotografie – jetzt wollen wir uns beim Skate- oder Snowboarden, Mountainbiking oder beim Spaziergang mit dem Hund von allen Seiten aus aufnehmen, ohne dabei daran denken zu müssen, ob wir auch tatsächlich gerade vom Objektiv eingefangen werden. Denn das ist einer der großen Vorteile des 360-Grad-Filmens: Später im Studio kann man ganz in Ruhe entscheiden, von welcher Seite und welchem Winkel aus und mit welcher Zoomstufe man ein Detail des komplett um das Objektiv aufgezeichneten Bilds im fertigen Clip zeigen möchte. Dafür braucht es die zwei Fischaugenlinsen, die auf einem der drei in Würfelform gehaltenen Module der Twin Edition erhältlich sind. Das zweite Modul ist ein 4K-Weitwinkel, womit man also auch mit diesem Set einen Action-Cam-Mod nutzen kann. Wenn auch einen nicht ganz so hochwertigen wie mit dem Leica-Modul.

Das dritte Modul beherbergt die komplette Technik und wird für die Nutzung jeweils mit einem der Objektiv-Würfel zusammengesteckt. Das gelingt sehr einfach und lässt sich im Falle der Action-Cam-Verwendung sogar auf zwei verschiedene Arten bewerkstelligen. Wollt Ihr andere mit der Kamera aufnehmen, dreht Ihr das Basismodul derart herum, dass der auf nur einer Seite befindliche Touch-Screen hinten sitzt. Möchtet Ihr Euch selbst im Selfie-Modus aufnehmen, dreht Ihr den Würfen um 180 Grad, sodass der Screen direkt neben dem Objektiv sitzt. Das Tolle an dem Schirm ist dabei, dass Ihr damit nicht nur Einstellungen sehen und verändern könnt, sondern selbst 360-Grad-Aufzeichnungen in einer Live-Vorschau kontrollieren dürft.


An Videoauflösungen und Framerates stehen für 360-Grad-Filme dieselben Optionen wie bei der Insta360 One X zur Verfügung, was kein Wunder ist, arbeitet doch dieselbe Basiskamera in beiden Modellen. 5.760 x 2.880 gelingt mit bis zu 30 fps, 3.840 x 1.920 mit bis zu 50 fps, und für 100-fps-Zeitlupen-Shots steht noch eine Auflösung von 3.008 x 1.504 zur Verfügung. Software-Verbesserungen wie ColorPlus, HDR-Video und Night-Shot sorgen dabei jeweils für eine hohe Farbgenauigkeit. Mit dem One R 4K Weitwinkel Mod gelingen Filme in einer Auflösung von bis zu 4.000 x 3.000 bei 30 fps. Cool: In Full HD steht mit 200 fps sogar ein Ultra-Zeitlupenmodus zur Verfügung. Fotos schießt das Modul entweder in 4:3 mit 4.000 x 3.000 oder in 16:9 mit 4.000 x 2.250 Pixeln. Das Kleinbildäquivalent der Brennweite ist 16,4mm bei einer Lichtempfindlichkeit von F2.8.


Jede Menge Zubehör

Neben der elektronischen Bildstabilisierung zählen Sprachsteuerung, Steuerung via Apple Watch, Auto-Framing und Deep-Tracking von Motiven ebenso zum Funktionsumfang, wie zwei Onboard-Mikros pro Modul (externe Mics können ebenso angeschlossen werden). Zudem sind umfangreiche Editier-Möglichkeiten und das von der One X bekannte Herausrechnen des Selfie-Sticks aus dem Bild bei Verwendung des Dual Lens 360 Mods mit an Bord. Für den längeren Einsatz kann man ab Februar einen Zusatz-Akku mit doppelter Kapazität kaufen. Zeitgleich erscheint ein 4K 3D Bundle mit zwei 4K Weitwinkelmodulen im Handel, mit dem man hochauflösende, stereoskopische VR 180 Grad Aufnahmen erstellen kann. Ein robuster Objektivschutz, um den Dual Lens 360 Mod im Einsatz vor Kratzern zu schützen, ein Dive Case (IPX8: Weitwinkel-Edition wasserdicht bis 60 Meter, Dual Lens Mod wasserdicht bis 30 Meter bei Nutzung der vertikalen Batteriebasis) sowie eine Fernbedienung, die auch GPS-Daten aufzeichnet, sind bereits verfügbar.

Und was hat es mit der Drohnen-Anspielung im Ankündigungs-Trailer auf sich? Kann das Teil nun auch noch fliegen? Nein, kann es nicht! Zumindest nicht ohne Drohne. Aber mit dem Aerial Mod, einer speziellen Halterung der 360-Grad-Module sowie des enthaltenen vertikalen Akkus, steigt die One R nicht nur in zuvor unerreichbar scheinende Höhen auf, sie rechnet auch den im Bild befindlichen sichtbaren Teil des Fluggeräts heraus. Dadurch sind atemberaubende Luftaufnahmen in alle Richtungen möglich.


Ausblick

Ich freue mich schon riesig auf die neue Insta360 One R. Nicht so sehr wegen der 360-Grad-Filme, die in ihrer Qualität ungefähr denen meiner One X gleichen dürften, aber weil ich dann immer alles zur Hand habe, was ich zum Filmen von B-Rolls, Vlogs und eben 360-Grad-Filmen benötige. Zudem mag ich technische Innovationen, wie dieses modulare System, und denke, dass in Zukunft noch spannende weitere Ergänzungen – vielleicht auch von Drittanbietern – auf den Markt kommen werden. Den Vogel schießt im wahrsten Sinne der Aerial Mode ab, der für die Mavic Pro und die Mavic 2 verfügbar ist.


Pakete und Preise im Überblick


4K Mod

1x 4K Weitwinkel Mod

1x Batteriemodul

ca. 340 Euro  


Dual Lens 360 Mod

1x Dual Lens 360 Mod

1x Batteriemodul

ca. 480 Euro


Twin Edition

1x Dual Lens 360 Mod + 4K Weitwinkel Mod

1x Batteriemodul

ca. 510 Euro


1 Inch Edition

1x 1 Zoll Weitwinkel Mod

1x Batteriemodul

ca. 600 Euro


Jeweils enthalten: Schutzrahmen mit Mount-Möglichkeiten für Mikros etc., Objektivschutz (bei Nichtnutzung), USB-C-Kabel und Anleitung.