• Holger Reher

dji Mavic Mini: In der Wohnung starten lassen? Besser nicht!

Wie ein Pionier der Luftfahrt

Dies ist die Geschichte meines Erstkontakts mit der dji Mavic Mini. Es war mitten in der Nacht. Meine Frau und unsere Kinder schliefen bereits, und ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten: Ich musste diese kleine Drohne, die da vor mir auf dem Schreibtisch in meinem Streaming und Vlogging Studio lag, einfach ausprobieren. Die Akkus hatte ich bereits aufgeladen, die Firmware wurde gerade aktualisiert und ich konnte mich vor Vorfreude und Spannung kaum noch auf die Partie „Call Of Duty: Modern Warfare“ konzentrieren. Immer wieder wanderte mein Blick auf das Display meines Samsung Note 10, das da in der Fernbedienung der Mavic steckte und den Fortschritt der Aktualisierung anzeigte. Noch zehn Prozent. Fünf. Dann war es geschafft.

Was sollte schon passieren?

Noch mit dem Headset auf den Ohren schnappte ich mir das kleine Fluggerät und brachte es in den Flur – ein Start im Studio war mir ob der darin verbauten und nicht gerade günstigen Technik dann doch zu riskant. Vor den nun folgenden Schilderungen sei erwähnt, dass ich noch nie zuvor eine Drohne besessen habe und der Startversuch in der Wohnung dementsprechend mein erster war. Aber was sollte schon groß passieren …?!


Die Verbindung zwischen der Fernbedienung, die mit meinem Smartphone gekoppelt war, und der Drohne war ja bereits hergestellt. Also suchte ich auf dem Display des Note 10 nach einer Option für den Start und fand die Schaltfläche ganz links an der Seite. Nach einem mutigen Druck darauf erschien ein weiterer, größerer Button direkt in der Mitte des Bildschirms. Nun war ich schon etwas nervöser. Dennoch tippte ich auch auf diese Schaltfläche und sah, wie sich ein grüner Rahmen um den Kreis aufbauen wollte, den ich aber durch zu kurze Betätigung an seiner vollen Ausbreitung hinderte. Also verweilte ich beim nächsten Mal längere Zeit mit dem Finger auf der Fläche. Was dann, als sich der Kreisrahmen geschlossen hatte, geschah, war für mich gleichermaßen beeindruckend wie erschreckend. Die Mavic Mini stieg kerzengerade und ohne nennenswertes Ausbrechen auf die angekündigte Höhe von 1,20m auf und verharrte dort in absolut stabiler Manier. Sie war dabei aber um einiges lauter, als ich es erwartet hätte. Und wie eingangs erwähnt: Meine Frau und unsere beiden Kleinen lagen bereits im Bett.


Manuell landen? Ja wie denn?

Da stand ich nun mit dem Headset auf den Ohren, das ich kurz lupfte, um mich von dem wahren Ausmaß der akustischen Ruhestörung um 1 Uhr morgens zu überzeugen. Vor mir, auf Bauchhöhe, schrie mich das Surren der Mavic Mini an, und ich bekam irgendwie Panik. „Lande das Teil“, schoss es mir durch den Kopf. Schließlich hatte ich mit meiner Frau tagsüber abgemacht, die Drohne eben nicht das erste Mal zu Hause, sondern im Freien starten zu lassen. Und wenn die Kids erstmal außerplanmäßig wach werden, kann man die weitere Nachtruhe vergessen. Ich fand den „Landen“-Knopf auf dem Dashboard, betätigte ihn und merkte, wie sich Erleichterung in mir breitmachte, als das kleine beige-graue Kästchen gen Fußboden sank. Entsprechend groß war der Schock, als mir ein Piepen und eine Einblendung auf dem Bildschirm mitteilten, dass der Untergrund zu unsicher für eine automatische Landung sei und ich das Ganze doch bitte manuell erledigen sollte. Das Problem: In meiner Aufregung habe ich überhaupt nicht mehr an die beiden Stickt der Fernbedienung gedacht, sondern war nur noch auf das Smartphone fokussiert. Und dort fand ich auf Teufel komm raus keine Steuerungsmöglichkeiten.

Was also tun? Kurzerhand schnappte ich zu. Ich griff die Mavic von oben, was auch zunächst gut ging. Doch als diese dann noch zwei Gänge höher schaltete, um dem Tornado zu entkommen, der sie offenbar verschluckt hatte (das zumindest muss die Drohne in diesem Moment „gedacht“ haben), wurde es noch lauter … und ich noch panischer! „Rückzug ins Studio“ dachte ich mir, ging in das Zimmer und schloss mit einer Hand von innen die Tür, während mir fast zeitgleich ein heftiger Schmerz in den Mittelfinger der anderen schoss. Ich hatte für einen Moment nicht aufgepasst und war mit diesem in einen der Propeller geraten. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie so etwas endet: In einer ziemlich „fetzigen“ Wunde, die ganz schön weg tun und nichts ist, was man regelmäßig bräuchte.


Und plötzlich war alles still

Fluchend und verzweifelt kippte ich die Mavic Mini ein wenig. Gerade so, dass ich an den Ein- und Ausschaltknopf an ihrer Unterseite herankam. Doch egal, ob ich diesen kurz, lang, zweimal, dreimal oder viermal hintereinander betätigte: Es tat sich nichts. Was konnte ich noch tun? Sie aus dem Fenster schmeißen? Aber dann würde sie halt dort noch eine knappe halbe Stunde Lärm machen. Hier mit ihr warten, bis der Akku leer ist und hoffen, dass sich weder der Rest meiner Familie noch unsere Nachbarn beschwerten? Das schien mir auch keine wirklich praktikable Lösung zu sein. Bei einem verzweifelten, letzten Versuch, doch noch etwas über den Power-Knopf ausrichten zu können, geschah dann das Wunder: Mit einem Mal blieben die Motoren stehen, die Propeller drehten sich nicht mehr und es kehrte Ruhe ein. Offenbar hatte ich die Drohne derart weit auf den Kopf gedreht, dass eine Art Notabschaltung initiiert wurde. Im Sinne von: „Wenn ich hier jetzt schon abschmier’, dann gebe ich auf meinem Sturzflug gen Boden wenigstens nicht auch noch Gas!“


Erleichtert sank ich erstmal in den Stuhl, legte die Mavic Mini auf den Tisch und brabbelte irgendetwas wie „Wow, was für ein Start mit uns“ in ihre Richtung. Dann spülte ich im Badezimmer die Wunde aus, machte ein Pflaster drauf und lauschte vor dem Zubettgehen noch einmal, ob sich im Kinderzimmer etwas regte. Da niemand wach geworden war, legte ich mich – etwas angeschlagen, aber beruhigt – ebenfalls ins Bett. So mussten sich die Pioniere der Luftfahrt gefühlt haben, als sie einst todesmutig das versuchten, was vor ihnen noch keiner gewagt hatte. Manchmal muss man sich die Dinge einfach schön reden …


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